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Volkstheater
7., Neustiftgasse 1
Volkstheater / Foto: Bauer

1945 / Foto: WIFAR

Das Volkstheater wurde von Wiener Bürgern, darunter dem Dramatiker Ludwig Anzengruber und dem Möbelfabrikanten Thonet, als bürgerli-
ches Gegenstück zum Hofburgtheater
mit dem Anspruch gegründet, aktuelle Zeitstücke, Volksstücke, Klassiker und österreichische Dramen einem breiten Publikum zugänglich zu machen.

Der Bau wurde in den Jahren 1887 bis 1889 von den erfolgreichsten und meistbeschäftigten Theaterarchitekten ihrer Zeit, Ferdinand Fellner und Hermann Helmer, im Stil des Historismus errichtet. 

Die opulent dekorierten, spät­historistischen Bauten der beiden Stararchitekten zeichneten sich durch funk-
tionelle Klarheit aus und fanden in zahlreichen Städten der Monarchie Nachahmung.
Als erster Theaterbau entsprach das Volkstheater überdies den nach den katastrophalen Theaterbränden in Nizza und Wien neuerlassenen Sicherheits­vorschriften und wurde beispielsweise von Anfang an ausschließlich elektrisch beleuchtet.

Volkstheater in den Außenbezirken, 1954 / Foto: ÖGB-Archiv

Eröffnet wurde das neue, im damaligen Stadterweiterungsgebiet gelegene Haus 1889 mit der Uraufführung von Anzengrubers "Der
Fleck auf der Ehr'".

Künstlerische Hochblüten erlebte das Volkstheater in den zwanziger Jahren unter den Direktoren Alfred Bernau (1918-24) und Rudolf Beer (1924-32), die nicht nur einen aufregenden Spielplan aus Klassikern und modernen Stücken boten, sondern auch die bedeutendsten Schauspieler, Regisseure und Bühnenbildner ihrer Zeit an das Haus holten, sowie in den fünfziger und sechziger Jahren, in denen Direktor Leon Epp (1952-68) mit seinem Leitspruch "Man muss es wagen" die wichtigsten zeitkritischen Stücke nach Wien brachte (Albert Camus, Jean Genet, Jean-Paul Sartre, Friedrich Dürrenmatt, Max Frisch, Rolf Hochhuth und Bert Brecht) und die mutigsten Klassikerinterpretationen wagte.

Das Bauwerk, das in der NS-Zeit verschandelt und im Zweiten Weltkrieg stark beschädigt wurde, erstrahlt seit seiner aufwendigen Restaurierung in den Jahren 1980/81, bei der der Zuschauerraum und die Fassade in den ursprünglichen Zustand versetzt und die zerstörte Kuppel neu aufgebaut wurden, wieder in altem Glanz. Trotz einer Reduzierung der Sitzplätze im Sinn größerer Bequemlichkeit und besserer Sicht gehört das Volkstheater mit seinen fast 1.000 Sitzplätzen immer noch zu den größten deutschsprachigen Sprechtheatern.

Das Volkstheater ist das erste große österreichische Theater, das von einer Frau geleitet wurde. 1988 übernahm Emmy Werner den Posten der Direktorin; die Eröffnungspremiere jeder Saison war einer großen Frauengestalt der Weltliteratur gewidmet. Nachfolger der Langzeitdirektorin wurde mit Beginn der Saison 2005/06 der Regisseur Michael Schottenberg.

Unter Direktor Leon Epp wurde Anfang 1954 das Volkstheater in den Außenbezirken als eine Aktion der Wiener Arbeiterkammer gegründet. Diese Tournee an die unterschiedlichsten Spielstätten
in den Wiener Bezirken hat es mittlerweile auf mehr als 10.000 Aufführungen gebracht.

Der nunmehr von der Stadt Wien – unter Beteiligung der AK – finanzierte kulturpolitische Leitgedanke ist, jenen Besucher-
schichten, die sonst nur schwer zu erreichen sind, das Theater
"vor die Haustüre" zu bringen.

Volkstheater in den Außenbezirken, Schwejk / Foto: AK
Volkstheater in den Außenbezirken, 1954 / Foto: ÖGB-Archiv
Derzeit werden pro Saison unter der künstlerischen Verantwortung des Volkstheaters fünf Produktionen – z.T. auch Koproduktionen mit der freien Wiener Theater­szene – an mindestens 21 Spielorten gezeigt.
Literatur: Karin Breitenecker, Es muß gewagt werden, 1991; Oskar Maurus Fontana, Volkstheater Wien, 1964; Eva Maria Hanappi, 50 Jahre Volkstheater in den Außenbezirken. Das ungeliebte Erbe, 2004; Jürgen Hein, Das Wiener Volkstheater, 1997; Petra Rosar, Das Deutsche Volkstheater als NS-Unterhaltungstheater von 1938–1944, 2001.
Volkstheater
7., Neustiftgasse 1
Tel.: 523 35 01-0
 
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