In Wien – und in den meisten anderen großen Städten und Industriegemeinden – besaß die SDAP weiterhin die Mehrheit und stellte hier eine deutliche Alternative zur Politik der konservativen Bundesregierung dar.
Die Maßnahmen des "Roten Wien" im Wohnungs- und Sozialbereich erregten weltweites Aufsehen, und auch im Bereich der Bildung, der Kultur und des Sports trachtete die Sozialdemokratie danach, eine eigenständige "proletarische Kultur" als Gegenentwurf zur bürger- lichen Gesellschaft zu entwickeln.
Die zunehmende Radikalisierung der politischen Verhältnisse führte 1923/24 zur Gründung des Republikanischen Schutzbundes, einer paramilitärischen Organisation mit starker Bewaffnung. Auch programmatisch setzte sich mit dem Linzer Programm (1926) die radikalere Gruppe um Otto Bauer gegenüber der gemäßigteren und konsensorientierten Fraktion um Karl Renner durch. |