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Zentralfriedhof
11., Simmeringer Hauptstraße
232-244
Novy / Foto: Bauer

Im Jahr 1750 zählte Wien noch etwa 175.000 Einwohner; ein Jahrhundert später, 1857, waren es bereits 516.000. Da die zum damaligen Zeitpunkt bestehenden "kommunalen Friedhöfe" – allesamt Gründungen
Kaiser Josephs II. – bereits am Ende ihrer Aufnahme­kapazität angelangt waren, und ihre Auflassung auch aus Gründen der Stadtentwicklung verlangt wurde, beschloss der Wiener Gemeinderat im Jahr 1863 die Errichtung eines neuen Großfriedhofs.
Präsidentengruft / Foto: Bauer

Nach jahrelangem Hin und Her genehmigte der Gemeinderat Ende 1869 den Ankauf mehrerer Grundstücke im Bereich Kaiserebersdorf
und Simmering und beschloss,
eine Ausschreibung für die Gestaltung
des neuen Friedhofs vorzunehmen. 1871 wählte die achtköpfige Jury
aus den 28 eingereichten Entwürfen das Frankfurter Projekt der Architekten Karl Jonas Mylius und Alfred Friedrich Bluntschli aus. 1874
– 11 Jahre nach Baubeschluss! – konnte der neue Zentralfriedhof
endlich eröffnet werden. Mit rund 200.000 Quadratmetern
war er zum damaligen Zeitpunkt der größte Friedhof Europas.

Sozialdemokratische Ehrengruft / Foto: Bauer

Bei der Wiener Bevölkerung blieb der neue, weit außerhalb der Stadt gelegene Friedhof lange Zeit unbeliebt. Seine Ausgestaltung kam erst unter Bürgermeister Karl Lueger (1895-1910) in Gang. Um dem Friedhof endlich ein "repräsentatives" Äußeres zu verleihen, wurde 1898 ein neuer Wettbewerb zur Gestaltung der Kirche und der Leichenhallen ausgeschrieben, aus dem zur allgemeinen Überraschung der erst siebenundzwanzigjährige Max Hegele, ein Schüler des bekannten Architekten Carl Freiherr von Hasenauer, als Sieger hervorging.

Der Grundstein für die heutigen Ehrengräber am Zentralfriedhof wurde 1879 mit der "Verordnung zur Errichtung von Grabstätten zur Beerdigung hervorragender, historisch denkwürdiger Personen" gelegt.

Darunter befinden sich auch zahlreiche herausragende Persönlichkeiten der österreichischen Arbeiterbewegung:

In der unmittelbar vor der mächtigen Gedächtniskirche gelegenen Bundespräsidentengruft sind neben den sozialdemokratischen Politikern Karl Renner (1950), Theodor Körner (1957), Adolf Schärf (1965) und Franz Jonas (1974) auch die früheren Bundespräsiden-
ten Rudolf Kirchschläger (2000), Thomas Klestil (2004) und Kurt Waldheim (2007)
beigesetzt.

Kreisky / Foto: Bauer

Links von der Kirche führt eine breite Allee zu einem großen Platz, an dem sich das 1948 enthüllte beeindruckende Mahnmal "Den Opfern für ein freies Österreich 1934–1945" des Bildhauers Fritz Cremer und des Architektenpaares Wilhelm Schütte und Margarete Schütte-Lihotzky befindet. Die drei Figuren sollen die Trauer (als verhüllte Frauengestalt), die Anklage (mit emporgestreckter Hand) sowie die Befreiung und die Hoffnung auf ein neues Leben symbolisieren. Die 7 Stufen stehen für die Jahre 1934 bis 1938, 1939, 1940, 1941, 1942, 1943, 1944/1945.

Ganz in der Nähe befindet das "Mahnmal für die Opfer des 15./16. Juli 1927", als nach den Fehlurteilen im "Schattendorfer Prozess" bei gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen demonstrie-
renden Arbeitern und der mit einem Schießbefehl ausgestatteten Polizei 86 Tote, darunter 81 Demonstranten, zu beklagen waren und der Justizpalast abbrannte.
Am selben Platz erinnert außerdem ein Denkmal an die Opfer der tschechischen Widerstandsbewegung gegen die Nationalsozialisten.

"Für ein freies Österreich" / Foto: Bauer
Halle 3, Ehn / Foto: Bauer

Einen Besuch verdient auch die Aufbahrungshalle 3, die in den Jahren 1923/24 von Karl Ehn, dem Architekten des Karl-Marx-Hofes, errichtet wurde.

In Gruppe 40 findet sich die gemeinsame Grabstätte der mehr als 400 Bombenopfer der Jahre 1944/45 und – gegenüber – die Grab-
anlage der Widerstandskämpfer gegen das NS-Regime. Neben dem sehr schlichten Kreuz wurde Erde aus dem KZ-Buchenwald und Asche aus dem KZ-Auschwitz bestattet.

Am 21. April 2005 wurde von Bürgermeister Michael Häupl ein von Leopold Grausam gestaltetes neues Denkmal zu Ehren der Opfer der NS-Justiz enthüllt. Der Text der Gedenktafel lautet: Im Bereich der Gruppe 40 sind mehr als tausend Frauen und Männer beerdigt, die in der Zeit von 1938 bis 1945 von einer unmenschlichen NS-Justiz zum Tode verurteilt und im Wiener Landesgericht oder auf dem Schießplatz Kagran hingerichtet wurden. Sie bleiben unvergessen.

In der Nähe des 3. Tores gelangt man zu einem großen Obelisken, der zu Ehren der Gefallenen des 13. März 1848 errichtet wurde, die zunächst am Schmelzer Friedhof (heutige Stadthalle und Märzpark) begraben waren, 1888 exhumiert und hierher umgebettet wurden.

Bombenopfer / Foto: Bauer
NS-Opfer / Foto: Bauer
Obelisk / Foto: Bauer


Gegenüber liegt die gemeinsame Grabstätte der sozial­demokratischen Politiker Engelbert Pernerstorfer (1918), Victor Adler (1918), Otto Bauer (1938), Karl Seitz (1950) und Friedrich Adler (1960).

Ganz in der Nähe (Gruppe 28) befindet sich das Mahnmal für die zivilen Opfer der Februarkämpfe von 1934 – etwa 200 Tote, Angehörige und Sympathisanten des sozialdemokratischen Schutzbundes.

Daneben wurde ein Denkmal für jene Österreicher errichtet, die als Angehörige der internationalen Brigaden in den Jahren 1936–1939 im Spanischen Bürgerkrieg gefallen sind.

Weitere Ehrengräber:

Ehrengräbergruppe 0:
Adolf Loos (1933)

Neue Ehrengräber Gruppe 14C:
Christian Broda (1987)
Hertha Firnberg (1994)
Leopold Gratz (2006)
 
Josef Hoffmann (1956)
Rosa Jochmann (1994)
Bruno Marek (1991)
Heinz Nittel (1981)
Bruno Pittermann (1983)
Felix Slavik (1980)
Anton Wildgans (1932)

Februaropfer / Foto: Bauer
Spanienkämpfer / Foto: Bauer

Ehrengräber Gruppe 32C:
Anton Benya (2001)
Franz Theodor Csokor (1969)
Bruno Kreisky (1990)
Arnold Schönberg (1951, 1974 nach Wien überführt)
Helmut Zilk (2008)

Gruppe 33G:
Margarete Schütte-Lihotzky (2000)

Literatur: Werner T. Bauer, Wiener Friedhofsführer. Genaue Beschreibung sämtlicher Begräbnisstätten nebst einer Geschichte des Wiener Bestattungswesens, 2004; Robert S. Budig, Ehrengräber am Wiener Zentralfriedhof, 1995; Hans Havelka, Der Wiener Zentralfriedhof, 1989.  
 
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