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Republikanischer
Schutzbund
Republikanischer Schutzbund / Foto: SPÖ

Unmittelbar nach dem Ersten Weltkrieg entstanden in mehreren österreichischen Bundesländern para-
militärische Formationen, die zunächst als
Ortswehren, Bürgergarden, Kameradschafts-, Frontkämpfer-
und überparteiliche Selbstschutzverbände v.a. im Abwehrkampf auftraten. Diese Verbände wurden bald zu "Heimwehren" zusammengefasst, die der Christlichsozialen Partei nahe standen, von obersteirischen Groß­industriellen, aber auch vom faschistischen Italien als Gegengewicht zu den Organisationen der Arbeiterschaft massiv gefördert und ausgerüstet wurden und sich gegen Ende der zwanziger Jahre mehr und mehr zu einem Kampfinstrument der antidemokratischen Kräfte entwickelten.

Die Sozialdemokraten begegneten dieser Entwicklung mit der Bildung einer bewaffneten Arbeiterwehr, die seit Mai 1923 "Republikanischer Schutzbund" genannt wurde. Zunächst als Ordner- und Schutzorganisation für sozialdemokratische Ver-
anstaltungen gedacht, trat das Ziel der Verteidigung der Republik und ihrer Errungenschaften immer mehr in den Vordergrund.
Die Arbeiterbewegung will den Weg zum Sozialismus friedlich zurücklegen. Die Ordnerorganisation soll dazu beitragen, dass dieser Weg von den faschistischen Wegelagerern freigehalten wird, fasste etwa Schutzbundkommandant
Julius Deutsch die Aufgaben der Organisation zusammen.

Der Republikanische Schutzbund war, ebenso wie die Heimwehren, einheitlich uniformiert, in Kompanien, Bataillone und Regimenter gegliedert und relativ gut mit Infanteriewaffen ausgerüstet. Der Zentralleitung, deren Sitz sich in Wien befand, gehörten neben Julius Deutsch auch Alexander Eifler und Theodor Körner an; in jedem Bundesland gab es darüber hinaus eine eigene Leitung.

Schutzbund Landstraße / Foto: SPÖ
Deutsch und Eifler / Foto: SPÖ

Der Republikanische Schutzbund war für die Sozialdemokraten einerseits ein Zeichen "proletarischer Wehrhaftigkeit", andererseits auch ein Ersatz für das von den Christlichsozialen beherrschte Bundesheer, dem man, wie sich später auch zeigen sollte, zurecht nicht vertraute. Seine größte Stärke erreichte der Schutzbund im Jahr 1928 mit etwa 80.000 Mitgliedern, v.a. in Wien, sowie in den Industriegebieten Nieder- und Oberösterreichs und der Steiermark. Die größte "Machtdemonstration" des Schutzbundes fand am 7. Oktober 1928 bei einem Aufmarsch in Wiener Neustadt statt.

Foto: SPÖ
Verhaftete Schutzbündler / Foto: SPÖ
Verhaftete Schutzbündler / Foto: VGA

Mit Beginn der dreißiger Jahre verlor der Republikanische Schutzbund zusehends an Schlagkraft; die Regierung Dollfuß sah in ihm dennoch ein Hindernis auf ihrem Weg zum autoritären Ständestaat und löste den Schutzbund per 30./31. März 1933 auf. Die Organisation blieb jedoch auch in der Illegalität bestehen und begann am 12. Februar 1934 in Linz den – allerdings bereits aussichtlosen – Kampf gegen eine zum Äußersten entschlossene Regierung, die sich auf das Bundesheer, die Polizei und die Heimwehren stützen konnte.

Im Bürgerkrieg des Februar 1934 wurden fast 200 Schutzbündler getötet und etwa 300 weitere verwundet. Viele Schutzbundmitglieder wurden in der Folge verhaftet und vor Gericht gestellt, einigen hundert gelang die Flucht in die demokratische Tschechoslowakei oder in die Sowjetunion, wo viele von ihnen später unter Stalin ums Leben kamen. Zahlreiche frühere Schutzbündler kämpften von 1936 bis 1939 im Spanischen Bürgerkrieg in den Internationalen Brigaden. Der Versuch, in Österreich nach 1934 neben den illegalen Revolutionären Sozialisten auch einen "Autonomen Schutzbund" zu gründen, scheiterte allerdings.

Publikation: Der Schutzbund, Monatsschrift des Republikanischen Schutzbundes, 1924–1931, später "Der Kämpfer", 1932–1933.
Literatur: Julius Deutsch, Alexander Eifler, ein Soldat der Freiheit, 1947; Ilona Duczynska, Der demokratische Bolschewik. Zur Theorie und Praxis der Gewalt, 1975; Peter Kammerstätter, Der Aufstand des republikanischen Schutzbundes in Ober-
österreich am 12.2.1934 im Spiegel der Literatur und Lyrik, 1986; Finbarr MacLoughlin, Der republikanische Schutzbund und gewalttätige politische Auseinandersetzungen in Österreich: 1923–1934, 1990; Karl R. Stadler, Opfer verlorener Zeiten. Geschichte der Schutzbund-Emigration 1934, 1974; Erwin Tramer, Der Republikanische Schutzbund. Seine Bedeu-
tung in der politischen Entwicklung der Ersten Österreichischen Republik, 1969.
 
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