Gleich nach dem Ende der NS-Gewaltherrschaft organisierten sich die aus den Gefängnissen und Konzentra- tionslagern, sowie die aus der Emigration zurückgekehrten Österreicher in der überparteilichen Hilfsorganisa- tion "Volkssolidarität", in der Vertreter der SPÖ, ÖVP und KPÖ mitwirkten. Für die SPÖ war Frieda Nödl tätig, die sich die Aufgabe stellte, alle politischen Opfer des NS-Systems zu unterstützen.
Am 13. Juli 1946 erfolgte die Gründung des einheitlichen und überparteilichen "Österreichischen Bundes- verbandes ehemals politisch verfolgter Antifaschisten", zu dessen Generalsekretär der Sozialist Karl Mark gewählt wurde. In diesem Verband waren der starke "KZ-Verband", der "Häftlingsverband", das "Aktions- komitee der Abstammungsverfolgten" und das "Komitee ehemaliger Wehrmachtshäftlinge" mit einbezogen. Vertreter aller drei Parteien, die zahlreiche politisch Verfolgte in ihren Reihen hatten – von 165 Nationalrats- abgeordneten waren nicht weniger als 129 in den Gefängnissen und KZs der Nationalsozialisten inhaftiert gewesen – nahmen an der Arbeit des Verbandes teil.
Einige Monate später, am 22. Oktober 1946, fand die Konstituierung des "Bundes Sozialistischer Freiheits- kämpfer Österreichs" statt.
Ursprünglich sollte der "Geist der Lagerstraße" – die Solidarität der politisch Verfolgten aller Richtungen – auch nach der Befreiung aufrecht erhalten werden. Die Auseinandersetzungen der Tagespolitik und der beginnende "Kalte Krieg" führten jedoch auch im gemeinsamen Verband zu heftigen Konflikten. Außerdem konnte der von den Kommunisten auf Grund ihres starken Anteils am Widerstand angemeldete politische Führungsanspruch von den übrigen Parteien nicht akzeptiert werden. Die Frage der Zusammenarbeit mit den Kommunisten führte innerhalb der SPÖ zu heftigen Turbulenzen, die schließlich im Parteiausschluss des früheren Zentralsekretärs Erwin Scharf gipfelten, der ein vehementer Befürworter dieser Zusammenarbeit war.
Im April 1948 erfolgte die Auflösung des einheitlichen Opferverbandes. |