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Brügel, Fritz
Pseudonyme:
Wenzel Sladek, Doktor Dubski
13.2.1897, Wien -
4.7.1955, London

Fritz Brügels Vater war der Historiker und Journalist Ludwig Brügel (1866–1942), u.a. Verfasser einer fünfbän-
digen Geschichte der österreichischen Sozialdemokratie. Nach Ableistung des Kriegsdienstes studierte Fritz Brügel an der Universität Wien Geschichte und schloss 1921 mit seiner Dissertation "Beiträge zur Geschichte
der Deutschen in Böhmen" ab.

Danach war Brügel als Theaterkritiker bei der Arbeiter-Zeitung
tätig und leitete von 1922 bis zum Februar 1934 die Sozialwissen-
schaftliche Studienbibliothek der Arbeiterkammer Wien. Brügel
war auch im kulturpolitischen Bereich aktiv: Von 1924 bis 1934
gehörte er dem Verwaltungsbeirat der RAVAG an; 1933 war er
Gründungsmitglied und stellvertretender Obmann der Vereinigung
sozialistischer Schriftsteller
.

1923 erschien Brügels erster Gedichtband, "Zueignung", 1931
ein weiterer, "Klage um Adonis". Unter dem Titel "Die Hauptsache
ist ..." publizierte Brügel 1932 zahlreiche Gedichte, die unter seinem Pseudonym Wenzel Sladek bereits in der Arbeiter-Zeitung ver-
öffentlicht worden waren. Brügel war ebenso Verfasser volks-
bildnerischer und kulturpolitischer Beiträge für das Zentralorgan
der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Österreichs und für das theoretische Organ der Partei, Der Kampf.

Fritz Brügel / Foto: Peter Lhotzky

Fritz Brügel ist auch der Autor des Liedes Die Arbeiter von Wien, das er angeblich bereits 1927 anlässlich eines Arbeiterjugendtreffens schrieb – andere Überlieferungen setzen die Entstehung des Liedes mit den Februar-
ereignissen von
1934 an. Nach den Februarkämpfen ging Fritz Brügel in die "bittere Emigration" in die Tschecho-
slowakei, wo er 1935 im Prager sozialdemokratischen Exil-Verlag "Der Kampf" die "Februarballade" im Geden-
ken an die hingerichteten Widerstandskämpfer veröffentlichte:

Das Standrecht schreit: Es ist Galgens Zeit
und das Recht ein Maschinengewehr!
Katholisch geweiht, der Strick ist bereit
und die Schlinge von Leichen schwer!

Anfang 1935 wurde ihm wegen seiner Kritik am österreichischen Regime die österreichische Staatsbürgerschaft aberkannt, worauf er die tschechische annahm. Auf Einladung des Verbandes sowjetischer Schriftsteller bereis-
te Brügel 1936/37 die UdSSR und verfasste in Folge etliche begeisterte Reportagen.

Nach dem Münchner Abkommen im September 1938 emigrierte Brügel nach Paris, wo er den Gründungsaufruf der "Ligue de l' Autriche vivante" unterzeichnete, was ihm den Vorwurf einbrachte, "vaterländisch" und zugleich "kommunistisch" sein zu wollen. Mit seiner Frau Vera Dubska floh Brügel 1940 über Spanien und Portugal nach England, wo er im Auftrag der tschechoslowakischen Exilregierung tätig wurde.

1945 kehrte Fritz Brügel in die Tschechoslowakei zurück, trat in den diplomatischen Dienst ein und wurde 1946 stellvertretender Leiter und 1949 Leiter der tschechoslowakischen Militärmission in Berlin. Aus Protest gegen die kommunistische Machtergreifung in der Tschechoslowakei trat er im Mai 1949 aus dem diplomatischen Dienst aus und flüchtete über Deutschland und die Schweiz nach England.

Werk: Zueignung, 1923; Aus den Anfängen der deutschen sozialistischen Presse, 1929;  Klage um Adonis, 1931 (Lyrik); Der Weg der Internationale, 1931; Der deutsche Sozialismus von Ludwig Gall bis Karl Marx, 1931 (gemeinsam mit Benedikt Kautsky); Die Hauptsache ist..., 1932 (Songs); Februarballade, 1935; Gedichte aus Europa, 1937; Verschwörer, 1948 (Roman).
Literatur: Eckart Früh, Fritz Brügel, 2001; Madeleine Wolensky, Februarballade. Fritz Brügel, der Bürgerkrieg 1934 und
die Bibliothek der Arbeiterkammer Wien. In: Stephan Neuhäuser (Hrsg.), "Wir werden ganze Arbeit leisten...", Der austro-
faschistische Staatsstreich 1934, pp. 227-232, 2004; Julius Stieber, Studien zu Fritz Brügel und seiner politischen Lyrik, 1991; ders., Fritz Brügel im Exil 1934–1955, 1998.
 
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