Nachdem Liebermann 1947 aus dem erzwungenen Exil in den USA zurückgekehrt war, erhielt Boltenstern zunächst den Auftrag zur Adaptierung der Kundendiensträume der Wiener Städtischen Versicherung an der Tuchlauben, baute im selben Jahr Liebermanns Wohnung um und wurde schließlich mit dem Auftrag zur Errichtung des Ringturms betraut – die Wiener Version der amerikanischen Wolkenkratzer, die Liebermann in der Zeit seines Exils offenbar tief beeindruckt hatten.
Boltenstern, der 1952 eine ordentliche Professur erhielt und von 1956 bis 1962 Präsident der Zentralvereinigung der Architekten und 1959/60 Dekan der Technischen Universität war, schuf in der Folge noch weitere stadtbildprägende Bauwerke: 1957 das Hotel Europa (Kärntner Straße / Neuer Markt), 1961-64 den sogenannten "Norbert Liebermann-Hof" am Donaukanal, 1964 das "Felderhaus" beim Rathaus. |