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Austerlitz, Friedrich
25.4.1862, Hochlieben/Vysoká Libyne (Böhmen) – 5.7.1931, Wien
Friedrich Austerlitz / Foto: VGA

Der gelernte Handelsgehilfe Friedrich Austerlitz schloss eine Ausbildung bei der Firma Gerngroß ab. Als er für geregelte Arbeitszeiten im Handel und für die Sonntagssperre der Geschäfte eintrat, wurde er 1890 aus dem "Kaufmännischen Verein", der von den Unternehmern beherrschten Organisation der Handelsangestellten, ausgeschlossen. Er gründete daraufhin den "Verein der Handlungsgehilfen" und die Zeitung "Der Handlungs-
gehilfe". Victor Adler wurde auf seine hervorragend geschriebenen Artikel aufmerksam und holte ihn 1895 in
die Arbeiter-Zeitung, deren Chefredakteur Austerlitz für mehr als drei Jahrzehnte war.

Sein besonderes Interesse galt neben dem Journalismus v.a. dem Rechtswesen. Als einziger Nichtjurist wurde er in der Monarchie in den Staatsgerichtshof und in der Republik in den Verfassungsgerichtshof berufen. Von 1919 bis 1930 gehörte Austerlitz der Konstituierenden Nationalversammlung und dem Nationalrat an. In der sozialdemokratischen Bewegung erwarb er sich v.a. durch sein engagiertes Auftreten für das allgemeine Wahlrecht, gegen die Unterdrückungsmaßnahmen im Ersten Weltkrieg und für die Pressefreiheit großes Ansehen.

Foto: SPÖ

Nach den Freisprüchen im Schattendorfer Prozess schrieb Austerlitz in seinem Leitartikel vom 15. Juli 1927 folgende prophetische Sätze:
Nach Ansicht der Geschworenen bedeutet es also gar nichts auf Menschen zu schießen; das ist, wenn die Schießenden Frontkämpfer sind, wohl ein erlaubtes Jagdvergnügen! Die aber den Eid, den sie geleistet haben, so schnöde mit Füßen treten, die sich über Recht und Unrecht so frech hinweg setzen, die sind keine Geschworenen, sind ehrlose Gesetzes-
brecher, denen für ihren schamlosen Freispruch Haß und Verachtung
aller rechtlich denkenden Menschen gebührt. (...)

Die bürgerliche Welt warnt immer vor dem Bürgerkrieg; aber ist diese aufreizende Freisprechung von Menschen, die Arbeiter getötet haben, nicht schon selbst der Bürgerkrieg? Wir warnen sie alle, denn aus einer Aussaat von Unrecht, wie es gestern geschehen ist, kann nur schweres Unheil entstehen (...)
Austerlitz selbst sollte die Katastrophe nicht mehr miterleben.
Kurz nach seinem Tod wurde einer der größten Gemeindebauten
der Ersten Republik in der Baumgasse 29-41 im 3. Bezirk nach ihm benannt.

Begräbnis von Fritz Austerlitz, 1931 / Foto: VGA

Die Austrofaschisten änderten den Namen später jedoch in Rabenhof. Dabei blieb es auch nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs. 1949 wurde statt dessen die in den Jahren 1932/33 nach Plänen von Gottlieb Michal errichtete Wohnhausanlage der Gemeinde Wien, 16., Maroltingergasse 78-82, nach dem Journalisten und Politiker Austerlitzhof benannt. Die Austerlitzgasse in Donaustadt trägt ihren Namen seit 1993.

Werk: Preßfreiheit und Preßrecht, 1902; Das neue Wahlrecht, 1907; Austerlitz spricht, 1931.
Literatur: Michael Schmolke (Hrsg.), Wegbereiter der Publizistik in Österreich, 1992.
 
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