Das Arbeitsamt Liesing entstand in der Tradition der Bauhaus-Architektur und gehörte zu den radikalsten Entwürfen der Wiener Moderne in der Zwischenkriegszeit. Der Bau war 1930 der erste große Auftrag an den Architekten Ernst A. Plischke, der unter Oskar Strnad und Peter Behrens ausgebildet wurde und in Österreich die Position einer rationalen Architektur im Sinne Le Corbusiers vertrat.
Der Entwurf Plischkes ging weit über die Vereinfachung des Internationalen Stils hinaus und zielte auf eine differenzierte Einheit von Bauplastik und Funktion, Raumkonzept und Konstruktion (nextroom.at). Erwähnens- wert ist die Transparenz und optische Leichtigkeit des Bauwerks, die besonders beim Glasprisma des Stiegenhauses zur Geltung kommt, sowie die Konstruktion in Stahlbeton-Skelettbauweise, deren Träger- elemente die räumliche Disposition bestimmen und Haltepunkte für die großzügigen Fensterflächen darstellen, die den Ablauf im Gebäude selbst sichtbar machen und mit Hilfe der Architektur einen "neuen Beamtengeist" schaffen sollten. Dies, sowie die organisatorischen und technischen Raffinessen des Innenausbaus, machten den damals erst 28jährigen Architekten mit einem Schlag berühmt. Nicht zufällig wurde dieser Bau in Alberto Sartoris Standardwerk "Gli elementi dell' architettura funzionale" (1935) als einziges (!) österreichisches Beispiel erwähnt.
Wie viele andere österreichische Kulturschaffende auch wurde Plischke durch den Faschismus in die Emigration getrieben – er ging 1939 nach Neuseeland. Einer seiner Kollegen wurde vom NS-Regime beauftragt, die filigrane Konstruktion durch eine dichte Verpackung "stabiler" zu gestalten und ihr damit die Leichtigkeit und Transpa- renz zu nehmen. |