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Arbeiterheim Ottakring
Arbeiterheim Ottakring / Foto: SPÖ

Im Jahr 1905 waren die Ottakringer Sozialdemokraten stark genug, um den Bau eines eigenen Arbeiterheimes in der Kreitnergasse 29-33 in Angriff nehmen zu können. Mit Hilfe eines Kredits der Ottakringer Brauerei – die im Gegenzug das Monopol für die Belieferung des Buffets mit Bier erhielt! – konnte die Finanzierung gesichert werden.

Während der Bauarbeiten kam es allerdings zu einem offenen Konflikt zwischen den Arbeitern und dem Baumeister, der in einem Streik mündete. An der Spitze der Streikbewegung stand ein junger Maurer, der spätere ÖGB-Präsident Johann Böhm.

Der Streik, der von der damaligen "Kronen-Zeitung" unterstützt wurde, löste eine schwere Krise in der Ottakringer Partei-
organisation aus und hätte die Fertigstellung des Heims beinahe verhindert. Unter dem massiven Druck Franz Schuhmeiers musste Böhm schließlich nachgeben.

1907 konnte das Arbeiterheim endlich eröffnet werden. Es enthielt neben den Büro- und Versammlungsräumen der Organisation auch einen Theatersaal mit 1.500 Plätzen und insgesamt 40 Wohnungen, die als Vorbild für den Bau von Arbeiterwohnungen dienten (gute Belichtung, Zentralheizung!).

Das Ottakringer Arbeiterheim war bis 1934 eines der wichtigsten Veranstaltungs- und Kulturzentren des Bezirks.

Schuhmeier / Foto: SPÖ
Erster Weltkrieg, Lazarett im Arbeiterheim / Foto: SPÖ

Am frühen Abend des 12. Februar 1934 fuhren zwei Panzerwagen der Polizei feuernd durch die Hasnerstraße und die Koppstraße. Als sie nach einer halben Stunde wieder abzogen, errichteten Schutzbündler in der Hasnerstraße, der Koppstraße, der Kreitnergasse und der Klausgasse Barrikaden. Daraufhin fuhr neuerlich ein Panzerwagen auf und beschoss die Barrikaden, die schließlich von fünfzig Polizisten angegriffen wurden. Zugleich wurde eine Verstärkung des Bundesheeres angefordert. Der Angriff konnte zweimal zurückgeschlagen werden, dann gelang es den Angreifern, bis zur Ecke Koppstraße / Klausgasse vorzudringen.

Nach Mitternacht wurde das Arbeiterheim aus mehreren Richtungen unter Beschuss genommen. Am frühen Morgen des nächsten Tages wurde das II. Bataillon des Infanterieregiments Nr. 3 nach Ottakring beordert und um 6.30 Uhr der Befehl zum Sturm auf das Arbeiterheim gegeben. Bei der Vorbereitung des Angriffs wurden Granaten gegen das Haus geschossen, dessen Fassade dadurch völlig zerstört wurde.

Geschütze in der Hasnerstraße / Foto: SPÖ
Café Arbeiterheim 1934 / Foto: SPÖ
Als um 8.30 Uhr das Tor in der Kreitnergasse aufgesprengt wurde, fielen aus dem Arbeiterheim keine Schüsse mehr.
Wohnung der Familie Sever / Foto: SPÖ
Opfer / Foto: SPÖ

In der Wohnung Albert Severs fand man seine schwer verletzte Frau Ida, die kurz nach ihrer Einlieferung ins Spital starb. Ihre Nachbarin Mathilde Skoda wurde ebenfalls tot aufgefunden. Ein weiterer Hausbewohner hatte sich während der Belagerung erhängt.

Das schwer beschädigte Gebäude wurde bald darauf zum Abbruch freigegeben. An seiner Stelle musste die Städtische Versicherung ein Wohnhaus errichten, das 1936 fertiggestellt wurde.
Eine Gedenktafel erinnert heute an das einstige Arbeiterheim.

Bei den Kämpfen in Ottakring fielen die Genossen Karl Christ, Heinrich Friesenecker, Josef Krasser, Franz Ludvicek und Leopold Umyssa.

Vier Schutzbündler, die an der Verteidigung des Arbeiter­heimes teilgenommen hatten – Josef Dangl, Ludwig Tuma, Josef Fidra und Anton Prybil – wurden zum Tode verurteilt und erst nach Intervention der englischen Labour-Party zu Kerker­strafen begnadigt.

Literatur: Helmut Weihsmann, Das Rote Wien. Sozialdemokratische Architektur und Kommunalpolitik 1919–1934, 1985/2002.
 
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