Die Anlage bot Platz für etwa 1.300 Besucher und zählte damit zu den größten Bädern Europas. Architektonisch war es an den Grundrissen römischer Thermen angelehnt, wobei unterschied- lichste Bademöglichkeiten angeboten wurden: Es gab Dampf- und Heißluft-, medizinische Bäder (wie Diathermiebehandlung, Schlamm-, Sole-, Gas- und elektrische Bäder), Wannen und Brausen. Letzteres galt als Ergänzung zum Wohnbauprogramm des "Roten Wien", wo in den Grundrissen der Gemeindewohnungen ursprünglich kein Bad vorgesehen war.
Die Aktfiguren des Bildhauers Karl Stemolak an der Fassade des Bades verweisen auch auf die Körperpflege; Männer und Frauen sind hier in Haltungen dargestellt, die mit Waschen und Duschen in Bezug stehen.
Nach dem Zweiten Weltkrieg musste der schwer beschädigte Bau wieder instand gesetzt werden, wobei leider wertvolle architek- tonische Elemente verloren gingen. Die feierliche Wiedereröffnung erfolgte bereits im Februar 1948. Im Zuge der umfangreichen Generalsanierung von 1980 bis 1986 wurde auf die Bewahrung historischer Teile großer Wert gelegt; gleichzeitig wurde das Bad modernisiert und um eine Trainingsschwimmhalle erweitert. Heute ist das Amalienbad wieder eine der schönsten Badeanstalten Europas. Besonders eindrucksvoll sind die eleganten Innenräume, etwa die Saunabereiche (Frauen und Männer saunieren bis auf wenige Ausnahmetage getrennt), einzigartig das runde Warm- wasserbecken im Art-déco-Stil mit Mosaik auf dem Beckenboden, breiten Stufen und umgebenden Säulen. |