Home
Kontakt
Impressum
Amalienbad
10., Reumannplatz 23
Amalienbad / Foto: MA44

Die Badeanstalt in Favoriten wurde in den Jahren 1923 bis 1926 nach Plänen der Architekten Karl Schmalhofer und Otto Nadel erbaut und nach der 1924 verstorbenen Politikerin Amalie Pölzer, der Frau des legendären Johann Pölzer benannt, die seit 1919 als erste Favoritnerin dem Wiener Gemeinderat angehört hatte.
Amalie Pölzer / Foto: SPÖ
Das Amalienbad war zur Zeit seiner Errichtung europaweit richtungs-
weisend und sollte der Arbeiterschaft die Möglichkeit zur regelmäßigen Körperpflege und sportlichen Betätigung geben das Schwimmen als Gegenentwurf zu Wirtshausbesuch und Alkoholkonsum!

Die Schwimmhalle besaß Tribünen und ein bewegliches Glasdach, das sich innerhalb von nur drei Minuten öffnen ließ, um auch im Sommer einen vollkommenen Badegenuss zu ermöglichen.
Von konservativen Kreisen wurde das Amalienbad geradezu als Symbol der angefeindeten sozialdemokrati-
schen Kommunalpolitik kritisiert. So schrieb die "Reichspost", das Zentralorgan der Christlichsozialen Partei, am 17. September 1933: Die Gemeindeverwaltung trieb einen Luxusaufwand, der mit ihrem Vernichtungskrieg gegen allen Luxus in schreiendstem Widerspruch stand [...] Auch Proletarier brauchen Bäder. Also baute man ihnen einen kostspieligen Badepalast, in dem sie sich gar nicht heimisch fühlen.

Die Anlage bot Platz für etwa 1.300 Besucher und zählte damit
zu den größten Bädern Europas. Architektonisch war es an den
Grundrissen römischer Thermen angelehnt, wobei unterschied-
lichste Bademöglichkeiten angeboten wurden: Es gab Dampf-
und Heißluft-, medizinische Bäder (wie Diathermiebehandlung,
Schlamm-, Sole-, Gas- und elektrische Bäder), Wannen und Brausen. Letzteres galt als Ergänzung zum Wohnbauprogramm
des "Roten Wien", wo in den Grundrissen der Gemeindewohnungen ursprünglich kein Bad vorgesehen war.

Die Aktfiguren des Bildhauers Karl Stemolak an der Fassade des Bades verweisen auch auf die Körperpflege; Männer und Frauen sind hier in Haltungen dargestellt, die mit Waschen und Duschen
in Bezug stehen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg musste der schwer beschädigte Bau wieder instand gesetzt werden, wobei leider wertvolle architek-
tonische Elemente verloren gingen. Die feierliche Wiedereröffnung erfolgte bereits im Februar 1948. Im Zuge der umfangreichen Generalsanierung von 1980 bis 1986 wurde auf die Bewahrung historischer Teile großer Wert gelegt; gleichzeitig wurde das Bad modernisiert und um eine Trainingsschwimmhalle erweitert.
Heute ist das Amalienbad wieder eine der schönsten Badeanstalten Europas. Besonders eindrucksvoll sind die eleganten Innenräume, etwa die Saunabereiche (Frauen und Männer saunieren bis auf wenige Ausnahmetage getrennt), einzigartig das runde Warm-
wasserbecken im Art-déco-Stil mit Mosaik auf dem Beckenboden, breiten Stufen und umgebenden Säulen.

1928 / Foto: MA44
Vorhalle, um 1930 / Foto: MA44
Bombentreffer, 1945 / Foto: MA44
Literatur: Inge Podbrecky, Rotes Wien, 2003; Sabine Schmidt und Petra Schwaiger, Das Amalienbad. Die Geschichte einer Wiener Institution, 2001, Helfried Seemann und Christian Lunzer, Wiener Bäder, 2004; Helmut Weihsmann, Das Rote Wien. Sozialdemokratische Architektur und Kommunalpolitik 1919–1934, 1985/2002; Walter Zednicek, Architektur des Roten Wien, 2009.
Amalienbad
Tel.: 607 47 47
Öffnungszeiten: Mo 12.30-15 (nur für Senioren), Di 9-18, Mi 9-21.30, Do 7-21.30, Fr 9-21.30, Sa 7-20, So 7-18 Uhr.
 
voriges Stichwort nächstes Stichwort
© 2005 by SPÖ
Fotogalerie

01b_Amalienbad 01c_Amalienbad 02_Amalienbad mehr...

Link